Theologie und Theorie

Was hat beides miteinander zu tun? Eine Theorie ist eine nicht bewiesene Annahme, die dazu dient, eine weitere Theorie zu untermauern, also zu bestätigen. Die Theologie befasst sich mit dem Glauben an sich. Glauben ist auch eine Form von Theorie, weil nichts davon tatsächlich beweisbar ist.

In der Einleitung stelle ich die Behauptung auf, dass alles, was den Glauben an sich betrifft, nicht bewiesen werden kann. Ich will das anhand eines Beispiels verdeutlichen: Die Bibel erzählt im Neuen Testament die Geschichte, wie Jesus Christus auf die Erde kam. Die Story ist weitgehend bekannt, also kann ich davon ausgehen, dass der Leser weiß, wovon ich rede. Trotzdem sei sie hier noch mal kurz zusammengefasst:
Die Heilige Jungfrau Maria wurde von einem Engel besucht, der ihr sagte, dass sie Gottes Sohn zur Welt bringen werde. Maria wurde unbefleckt (d.h. jungfräulich) schwanger und gebar in Bethlehem ein Kind mit dem Namen Jesus, der Jahrzehnte später als König der Juden verehrt wurde.

Es gibt eine Theorie, die wie blanke Ketzerei klingt, deren Annahmen sich aber ebenso wenig beweisen lassen wie die allgemeine Lehre:
Maria traf einen Mann, der ungewöhnlich glamourös gekleidet war. Heute würde man so einen Menschen als Dandy bezeichnen, also eine Art „Paradiesvogel” wie z.B. Elton John, Elvis Presley, Rudolf Moshammer oder der legendäre Liberace.
Auch damals schon machten Kleider Leute und aufgrund seines Erscheinungsbildes glaubte Maria allen Ernstes, einen Engel vor sich zu haben, denn so etwas hatte sie nie zuvor gesehen. Dieser Dandy erzählte der jungen Frau eine absolut unglaubliche Geschichte von einem Messias, den sie zur Welt bringen würde. Während dessen füllte er sie mit Drogen oder Alkohol ab, bis sie nicht mehr Herr ihrer Sinne war und vollzog mit ihr den Akt.
Der Grund, warum Maria danach immer noch Jungfrau (mit intaktem Hymen) war, ist darin zu suchen, dass der Dandy einen Mikropenis hatte, der zwar durchaus zur Befruchtung, nicht aber zum Zerstören des Hymens geeignet war.
Unser Dandy machte sich wieder auf die Socken und ging – ins Morgenland. Dort traf er drei Freunde, denen er von der Begebenheit mit Maria erzählte. Er sagte ihnen auch, dass er sich wegen dieser Angelegenheit Gewissensbisse machte und er die Frau gerne mit ein paar nützlichen und wertvollen Geschenken entschädigen würde.
So gingen die drei Freunde mit Gold, Weihrauch und Myrrhe nach Bethlehem. Aufgrund einer überaus guten Beschreibung der Frau fanden sie sie tatsächlich. Sie erzählten ihr, dass sie Könige auf der Suche nach dem neugeborenen Messias seien, überreichten ihr die Geschenke und huldigten dem Kuckuckskind, das wegen seiner guten Gene besonders intelligent war und für seine kritischen Reden bekannt, berühmt, verehrt und schließlich verfolgt wurde.

Auch meine Geschichte ist in sich schlüssig und sie lässt sich ebenso wenig beweisen wie jene aus dem Neuen Testament. Nur die bloße Tatsache, dass viele hundert Millionen Menschen die andere Story glauben, macht sie um keinen Deut wahrer.
Mit genau diesem Problem hat die Theologie ständig zu kämpfen. Es gibt nahezu nichts in der allgemein verbreiteten Glaubenslehre, was sich mit Beweisen belegen ließe, die einem modernen Gerichtsverfahren Stand halten könnten.
Die unermesslichen Reichtümer der Kirche hingegen sind ein unwiderlegbarer Beweis dafür, dass der Klerus seit jeher eine gewinnorientierte Organisation ist. Auch der Macht steht sie keineswegs abgeneigt gegenüber. Wer Reichtum und Macht besitzt, giert nach immer mehr von beidem, das liegt in der Natur des Menschen.

Eine kleine Glaubensgemeinschaft wirft viel weniger Gewinn ab als eine große. Deshalb war die Kirche auch stets bestrebt, ihre Lehren zu verbreiten – nötigenfalls auch mit Gewalt. Die Kreuzzüge seien hier nur mal am Rande erwähnt. Wer sich dem Glauben nicht fügen wollte, galt als Ketzer, wurde von der Inquisition verfolgt, mit unmenschlicher Folter zu einem im Grunde völlig wertlosen Geständnis gezwungen und schließlich hingerichtet.

Ach ja – So etwas hat es in jüngerer Vergangenheit wieder mal gegeben. Im dritten Reich war es ebenso, nur war hier der »Feind« jeder, der nicht rein arischer Herkunft war und außerdem jeder, der das regierende System in Frage stellte. Diese Leute wurden – wie auch während der Inquisition – vor Tribunale gestellt, deren Methoden jeder modernen Vorstellung von Recht widersprechen, und schließlich ebenfalls hingerichtet. Die Methoden des Klerus und jene des Dritten Reichs ähneln sich auf frappante Weise. Mit dem einen Unterschied, dass man das Unrecht im Dritten Reich heute als bewiesen ansieht und (nahezu) weltweit ächtet.
Der Klerus hält immer noch daran fest, dass seine Lehren unumstößlich wahr sind, nur ist man heute von der Todesstrafe für Ungläubige abgekommen, um sich den international üblichen Moralvorstellungen anzupassen. Das seit dem Altertum bekannte Druckmittel, dass man nur durch rigorosen Glauben der ewigen Hölle entgehen kann, wird weiterhin verbreitet und als Grundlage für alle Dekrete des Vatikan verwendet. Dabei ist es völlig unerheblich, dass viele Theorien des Klerus inzwischen durch empirische Beobachtungen und Versuche als falsch entlarvt wurden. Bei der Kirche geht es schließlich um Glauben und nicht um Wissenschaft. Die Theologie, die sich, wie auch die Physik, als exakte Wissenschaft bezeichnet, befasst sich aber grundsätzlich mit absolut unbeweisbaren Theorien und Axiomen. Dabei werden rituelle Handlungen den Gläubigen als Mittel verkauft, mit dem man Wunder bewirken oder einfach nur Gottes Wohlwollen auf sich ziehen kann.

Die Befähigung, solche Rituale zelebrieren zu dürfen, erhält man ausschließlich durch die Priesterweihe – und dazu ist ein abgeschlossenes Studium der Theologie erforderlich.
Hat Jesus Christus etwa Theologie studiert? Woher hatte er seine Befähigung, die Massen zu überzeugen? War er wirklich Gottes Sohn und deshalb allwissend? Oder war er einfach nur ein »Hippie«, der einen ausgeprägten Sinn für Moral und korrektes Sozialverhalten hatte und sich nicht scheute, seiner Meinung auch öffentlich (Bergpredigt etc.) Ausdruck zu verleihen? Ich persönlich tendiere dazu, Letzteres anzunehmen.
Das soll in keiner Weise das Ansehen oder die Verdienste des Messias in Frage stellen, denn wer von der Gesellschaft ausreichend Distanz hat, der ist auch in der Lage, unvoreingenommen darüber zu reflektieren und zu Erkenntnissen zu kommen, die der breiten Masse verborgen bleiben. Dass er ein hervorragender Redner war, kann nicht bezweifelt werden; und das muss er auch gewesen sein, sonst wären ihm nicht so viele Anhänger gefolgt. Nicht zuletzt stellen die von Jesus Christus verbreiteten Lehren einen unschätzbaren Wert für das Zusammenleben in einer Gesellschaft dar, weil sie sich an der tatsächlich existierenden Gesellschaft und nicht an einem idealisierten Phantasiebild orientieren. So sind die Botschaften Jesu Christi bis heute von essentieller Bedeutung, wenn es darum geht, in einer multikulturellen Gesellschaft die Rechte eines jeden Einzelnen zu wahren und den Nutzen für die Allgemeinheit zu fördern. Hier gibt es übrigens die entscheidende Parallele zum Islam, denn auch der Koran predigt Regeln für ein besseres Miteinander und lange währende Gesundheit.
Die Parallelen des Koran und der Bibel gehen noch weiter: Die Organisationen, die sie benutzen, befinden sich überwiegend auf Irrwegen, weil sie die Worte ihres Propheten einfach falsch verstanden haben oder falsch interpretieren.

Es ist völliger Humbug, Ungläubige zu einem bestimmten Bekenntnis zu zwingen, denn eine echte Überzeugung kann man damit nicht erreichen und so bleibt es bei einem Lippenbekenntnis. Der Ungläubige wird dadurch nicht gläubiger. Er stellt jedoch in den Augen der Organisation (Kirche bzw. Islam) eine große Gefahr für die Gläubigen dar, weil diese ihrerseits plötzlich Zweifel an der Richtigkeit der gängigen Lehren bekommen könnten. Und das könnte die Macht und schließlich die Existenzberechtigung der gesamten Organisation in Frage stellen. Aus Sicht der Glaubensgemeinschaft ist es also unerhört wichtig, Ungläubige zum Schweigen zu bringen – und das geht am besten durch Töten.
So war es im Christentum etwa bis zum Anfang der Renaissance. Der Islam als Weltreligion ist um etwa fünfhundert Jahre jünger, was erklärt, dass es noch viele unaufgeklärte und verblendete Anhänger gibt, die der Meinung sind, ihren Glauben mit Gewalt verteidigen zu müssen. Die Christen sind mit diesem Entwicklungsprozess schon fertig, die Muslime machen ihn gerade durch. Und was ist mit den anderen Religionen, wie dem Judentum, dem Buddhismus, dem Hinduismus oder den unzähligen Sekten wie den Zeugen Jehovas oder der Scientology Kirche?

Das Judentum hat eine Sonderstellung inne, weil es glaubt, das »auserwählte Volk Gottes« zu sein. Es leitet daraus ganz selbstverständlich einige Rechte ab, die sich andere Völker niemals anmaßen würden. Sie haben z.B. ein Land annektiert, das ihnen von Gott als »Gelobtes Land« versprochen worden war und alle dort lebenden Einwohner verdrängt. Wer es wagt, die Grenzen des gelobten Landes zu überschreiten (z.B. Palästinenser), der wird bis heute rigoros abgeschlachtet. – Alles um des Glaubens Willen? Natürlich nicht, denn auch hier geht es lediglich um Macht und Geld.
Die modernen Sekten verfolgen im Grunde dasselbe Ziel wie die Kirche. Es geht ausschließlich darum, den Gläubigen das Geld aus der Tasche zu ziehen, um Macht anzuhäufen. Die Methoden, mit denen sie dies versuchen bewegen sich zwar grundsätzlich noch in einem gesetzlich vertretbarem Rahmen, sind aber im Grunde genommen keinen Deut besser als die klerikalen Instrumente des Mittelalters wie Inquisition oder Kreuzzüge.
Der Hinduismus ist nicht auf Geld und Macht fixiert, will aber trotzdem in das Leben der Gläubigen eingreifen und es reglementieren. So gibt es die Kasten, also soziale Kategorien, die einem durch Geburt zufallen und die unterschiedliche Rechte genießen. Die indische Verfassung verbietet seit 1950 zwar Vorrechte oder Benachteiligungen, die durch Kasten bedingt sind, doch in der Praxis wird diesem Verbot oft nicht Rechnung getragen. Dabei ist es u.a. verboten, einen Menschen aus einer anderen Kaste zu ehelichen.
Welchem Zweck diese Reglementierungssucht dient, zeigt sich erst auf den zweiten Blick: Man will »unter sich« bleiben und verhindern, dass ein armer Mann eine reiche Frau heiratet oder umgekehrt. – Also auch hier geht es darum, das Geld und die Macht zusammen zu halten.
Anders im Buddhismus: Hier geht es nicht in erster Linie um die Konzentration von Geld und Macht, sondern um das Wohlbefinden des Einzelnen. Die Gläubigen werden dazu angehalten, sich durch viele gute Taten ein »gutes Karma« zu erwerben. Mit der Vorstellung, dass sie mit einem guten Karma als höheres Wesen wiedergeboren werden, bringt diese Lehre tatsächlich die besseren Gläubigen hervor. Und das ganz ohne Gewalt und Folter.
Genau dieses Ziel, nämlich aus den Gläubigen bessere Menschen machen zu wollen, die besser miteinander auskommen, war das ursprüngliche Motiv für die Gründung aller Glaubensgemeinschaften. Dass dadurch ein immenser Konkurrenzdruck unter den verschiedenen Religionen erzeugt wurde, hat Fanatiker aller Religionen auf den Plan gerufen, die ihren Glauben als den einzig richtigen in die Köpfe der Andersgläubigen zu prügeln versuchten.
Und dabei wollen doch alle Religionen dasselbe: Frieden auf Erden. Leider haben sie alle kläglich versagt, denn sie wollten den Frieden durch Gewalt, Folter, Mord und Kriege erzwingen.

Resümierend kann ich sagen, dass es leider die »richtige« Religion nicht gibt, denn die Glaubensgemeinschaften sind alle von Menschen gemacht worden und Menschen irren sich nun mal. Und wenn der Mensch erst mal Blut geleckt hat und erkennt, dass er Macht über andere Menschen errungen hat, dann erwächst in ihm automatisch das Bedürfnis, diese Macht bis an die Grenzen der Welt und darüber hinaus auszuweiten und jeden, der ihm dabei ins Gehege kommt, rücksichtslos auszuschalten. Das ist übrigens das Strickmuster, nach dem auch die Weltwirtschaft, also die moderne Form der Religion, funktioniert.
In der Genesis, also der Schöpfungsgeschichte der Bibel heißt es: ... und Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbild.
Meine Theorie besagt jedenfalls, dass es genau umgekehrt war und ich kann damit nur bestätigen, dass Gott in uns allen ist. Es handelt sich nicht um ein höheres Wesen, das über uns wacht, unsere Geschicke lenkt und unser aller Wohlergehen will, sondern um eine grundlegende Wunschvorstellung der Menschheit, dass es doch unbedingt so ein höheres Wesen geben müsse, damit unsere Existenz einen Sinn erhält und wir unsere guten Taten nicht vergeblich tun. Ich denke, dass der buddhistische Gedanke, durch gute Taten ein gutes Karma zu erwerben, der richtige Weg ist, um den Frieden mit sich selbst und der Welt zu finden.

_____

GEGSOFT – Home Artikel Murphy's Gesetz Neusprech Neusprech Reloaded Schneewittchen andersrum Die Schmusedecke Wer ist Gott Theologie und Theorie IS und der Islam Drogen Der Schlankheitswahn Düfte Kaffee Energiesparlampen Aufklärung mal anders Was ist Föhn Das Niesen Ist Hygienisch gesund? Mord und Totschlag Sensationsgier der Medien Musikmarkt Luftsteuer Zirkumzision Füße Was ist „Schwul”? Rauchverbot zu Hause Schreiben Glossar
Zeitkritik Kochrezepte GEG-FUN Physik-Wissen  Erotische Elektrostimulation Violet Wand Zurück Kontakt