Obsoleszenz

Wie wir täglich übers Ohr gehauen werden

Seit einigen Jahren haben die meist in Fernost ansässigen Hersteller von Gebrauchsgütern neue Prioritäten. Verkaufen auf Teufel komm raus ist die Devise. Wie lange das Zeug hält, was die Kunden dazu meinen oder ob sie dort wieder einkaufen würden ist völlig unwichtig, denn es gibt ja so viele potenzielle Käufer.

Früher stand der Kunde noch im Mittelpunkt. Er wurde umgarnt und umworben, ja geradezu verhätschelt. Man ging detailliert auf jeden seiner Wünsche und seine Bedürfnisse ein, er wurde fast immer zur vollen Zufriedenheit bedient und anschließend noch nach seiner Meinung gefragt und gebeten, diese – wenn sie denn positiv sei – anderen Menschen Kund zu tun; sprich: Werbung zu machen. Verabschiedet hat man seine Kundschaft mit den Worten: Auf Wiedersehen – und beehren Sie uns bald wieder.
Das ist allerdings fast fünfzig Jahre her. Seitdem hat sich die Kaufkultur völlig verändert. Die klassische Beratung durch höchst kompetente Fachverkäufer ist völlig aus der Mode gekommen, der schnelle Preisvergleich via Internet ist viel bequemer – und der Preis ist offenbar das Einzige, das die Kunden noch interessiert.
Für viele Händler sind Kunden heute etwas, das keiner wirklich will, mit dem man sich aber trotzdem herumschlagen muss, wenn man etwas verkaufen will; sie sind also ein allgemein unbeliebtes, aber unvermeidliches Übel, etwa so attraktiv wie Zellulite oder ein Kropf.
Wie die Meinung des Kunden nach dem Kauf ist, danach wird gar nicht erst gefragt, denn das Geld ist in der Kasse und alles andere ist einfach nur lästig. Ob der Kunde wieder kommt oder nicht, interessiert ebenfalls nicht, denn es gibt ja genug Kauflustige, die es gar nicht erwarten können, ihr hart erarbeitetes Geld für einen Artikel auszugeben, der kurz nach Ende des Gewährleistungszeitraums ausfällt.
Wer sich dann trotzdem traut, sich an den Hersteller, Händler oder Kundendienst (falls so etwas überhaupt noch existiert) zu wenden, wird eiskalt im Regen stehen gelassen mit der Begründung, dass das Teil veraltet sei und eine Reparatur mehr als den Neupreis kostet und deshalb nicht lohnt. Der Besitzer nimmt das hin und kauft sich trotzdem wieder einen Artikel vom selben Hersteller. Die Frage, ob etwas anderes vielleicht besser wäre stellt er sich gar nicht erst, weil er sich ja nicht gerne umgewöhnen möchte.
Genau darauf setzen die Hersteller derartiger Ramschware. Man bietet etwas Nutzloses zu einem überhöhten Preis an und glaubt fest an die Dummheit der Leute, die nicht merken, wie sie über den Tisch gezogen werden. Dieser Glaube ist offenbar so stark, dass er tatsächlich wirkt.
Eigentlich ist das ja eine ganz miese Masche, aber die Kunden rennen diesen subversiven Unternehmen die Türen ein, um möglichst schnell an die neuen Modelle zu kommen. – Man könnte fast meinen, sie wollen veräppelt werden.

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