Neusprech

Neusprech - was soll denn das sein? Der Begriff stammt aus George Orwells visionärem Roman »1984« aus dem Jahre 1948. Im Original »Newspeak«, wurde es in früheren Übersetzungen noch als »Neusprache«, später dann als »Neusprech« übersetzt und bezeichnet eine aus politischen oder anderen Gründen künstlich modifizierte Sprache.

In der Wikipedia heißt es:
Neusprech bezeichnet die vom herrschenden Regime vorgeschriebene, künstlich veränderte Sprache. Das Ziel dieser Sprachpolitik ist es, die Anzahl und das Bedeutungsspektrum der Wörter zu verringern, um die Kommunikation der Bevölkerung in enge, kontrollierte Bahnen zu lenken. Damit sollen so genannte »Gedankenverbrechen« unmöglich werden. Durch die neue Sprache bzw. Sprachregelung soll die Bevölkerung so manipuliert werden, dass sie nicht einmal an Aufstand denken kann, weil ihr die Worte dazu fehlen.
Es handelt sich also um eine neue, reformierte Sprache, in der kritische Worte gegen wohlklingende ausgetauscht werden und bekannte Worte mit neuen Bedeutungen belegt werden. Neusprech gibt es nicht nur im Orwell-Roman, sondern ist heute fester Bestandteil der deutschen Sprache und wird von der Politik und den Medien instrumentalisiert, um die Bürger gezielt zu täuschen und unangenehme Veränderungen zumindest rhetorisch in etwas Positives zu verwandeln.
Was früher das »Arbeitsamt« war, heißt heute »KompetenzCenter«, die »Bundesanstalt für Arbeit« ist jetzt die »Arbeitsgemeinschaft nach dem SGB II« (ARGE) und das »Sozialamt« wurde in »JobCenter« umbenannt. Man bezieht nicht mehr wie früher »Sozialhilfe«, sondern »Hartz IV« als Reminiszenz an den SPD-Politiker und das ehemalige Vorstandsmitglied der Volkswagen AG, Peter Hartz, der 2002 die Kommission Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt leitete und Anfang 2007 wegen Veruntreuung von Firmengeldern zu zwei Jahren Haft (zur Bewährung) verurteilt wurde.

Neusprech wird auch verwendet, um Diskriminierungen zu verschleiern. »Ausländer« sind heute »Bürger mit Migrationshintergrund« und »Neger« werden als »dunkelhäutige Menschen« oder »Afrikaner« bezeichnet, selbst wenn sie nicht aus Afrika kommen.
Wo in alten Folgen von Pippi Langstrumpf noch Pippis Vater als »Negerkönig vom Takatuka-Land« bezeichnet worden war, hört man seit 2009 in der deutschen Synchronisation das Wort »Südseekönig«. Diese Änderung war aber erst möglich geworden, nachdem die Autorin, Astrid Lindgren, verstorben war, denn sie hatte dies zu ihren Lebzeiten untersagt. Auch die Lebensmittelindustrie hat sich angepasst; seit den 1990er Jahren heißen die allseits beliebten »Negerküsse« brav antirassistisch »Schaumküsse« oder »Schokoküsse«.
Die erwähnten Beispiele sind die augenfälligsten, aber es gibt noch eine ganze Litanei moderner Pleonasmen (Blähvokabeln), die zwar eine Bedeutung haben, aber nicht die, welche wir gewöhnt sind oder die man erwarten würde. Wenn man heute jemandem irgendeinen Blödsinn erzählt, antwortet man mit einem lang gezogenen »O-Kääih«, was in Wirklichkeit so viel bedeutet, wie Ich habe zwar keine Ahnung, was du da laberst, aber erzähl ruhig weiter.. Was »zeitnah« bedeutet, sollte jedem klar sein – denkt man. In Wirklichkeit heißt es so viel wie »irgendwann«, »vielleicht aber auch nie«.
Auch die Bedeutung des Personalpronomens »wir« wurde reformiert. Heute wird »wir« für »ich und der Rest der Welt« verwendet, wobei nicht unterschieden wird, ob der Angesprochene auch gemeint ist oder nicht. Es kann aber auch für eine bestimmte Gruppe stehen, wobei sich der Sprecher ausnimmt (»wir müssen sparen«). Das so genannte »extensive wir« ermöglicht dem Sprecher, sich einer Gruppe anzuschließen, auch wenn er mit ihr nichts zu tun hat (»Wir sind Weltmeister« oder »Wir sind Papst«). Mit diesem Zauberwort hat die Politik die Möglichkeit von jemandem zu sprechen, ohne sich dabei festlegen zu müssen, wen sie eigentlich meint.

Wenn irgendwo ein Krieg ausgetragen wird, spricht man heute von einem »bewaffneten Konflikt« und wenn dabei Zivilisten getötet werden, dann ist das ein »Kollateralschaden«.
Auch die geradezu epidemisch um sich greifende Verbreitung von Anglizismen (Begriffe englischer Herkunft) ist eine Form von Neusprech. Anglizismen wurden einerseits im Zuge der Internationalisierung der Märkte eingeführt, um Waren, Leistungen und Ereignisse einem breiteren Kundenkreis verständlich anbieten zu können, andererseits jedoch auch zu dem Zweck, die Amerika-freundliche Gesinnung der Bevölkerung zum Ausdruck zu bringen, bzw. zu demonstrieren, dass sich die Deutschen gefälligst der amerikanischen Allmacht unterwerfen sollen.
Da ist die Rede von »Sale« statt Schlussverkauf, das Mobiltelefon heißt »Handy«, aber nur in Deutschland – weil man es in der Hand hält. Gebrauchen Sie diesen Ausdruck lieber nicht gegenüber einem Amerikaner, denn „give me a handy” bedeutet so viel wie „Hol mir einen runter”. Und wenn man Gruppensex hat, dann ist das ein »Gangbang«. Der Beispiele gäbe es noch viele, aber dieser Artikel soll ja kein Unterrichtswerk sein.
So werden jedes Jahr etliche neue Begriffe geprägt, die ihre wahre Bedeutung verschleiern und sich »cool« anhören.

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