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Wissenswertes über HiFi Verstärker
Das zentrale Element jeder HiFi-Anlage ist der Verstärker. Er soll die Signale, die von Radio, Fernsehen, CD, oder einer anderen Quelle kommen, möglichst unverfälscht so weit verstärken, dass damit Lautsprecher angetrieben werden können. Um Verstärker ranken sich eine Menge von Mythen und Gerüchten, was ihre technischen Daten betrifft, doch nur wenige davon sind wahr.
In diesem Artikel möchte ich Begriffe klären und die technischen Zusammenhänge beschreiben.
Begriffsklärung
Verstärker gibt es in verschiedenen Ausführungen. Da gibt es Geräte, die aus mehreren Komponenten bestehen und solche, die alle nötigen Funktionen in einem Gehäuse vereinen, und sie haben unterschiedliche Bezeichnungen.
Vorverstärker, Endverstärker, Vollverstärker und Receiver gibt es. Aber was ist was? Woran erkennt man einen Receiver und wie kann man ihn von einem Vollverstärker unterscheiden?
Die folgenden Ausführungen sollen darüber aufklären.
- Vollverstärker
-
Als Vollverstärker bezeichnet man Geräte, die aus einem Vorverstärker mit Quellenwahl, Lautstärke- und Klangregelung, sowie einer Leistungsendstufe bestehen. Man erkennt einen Vollverstärker an der Bezeichnung »Integrated Amplifier« in der Aufschrift auf der Frontplatte bzw. dem Typenschild und wenn man seine Rückseite betrachtet. Neben einer Reihe von Eingangsbuchsen findet man auch ein oder zwei Paare von Lautsprecheranschlüssen. Wenn das Gerät eine Antennenbuchse hat, ist es ein Receiver, hat es keinen Antennenanschluss, ist es ein Vollverstärker.
Merkmale, an denen man einen Vollverstärker erkennt einblendenausblenden
Vorderseite
- Power-Schalter
- Quellenwahl
- Lautstärkeregler
- Klangregler
- Funktionstasten (Loudness, Hi- / Lo-Filter, Mono, Muting, Source Direct, etc.)
- evtl. Leistungsanzeige
- Kopfhörerbuchse
Rückseite
- Eingänge für Phono, Tuner, AUX, Tape u.A.
- Ausgänge für Tape 1 / Tape 2
- evtl. Pre In/Out
- Lautsprecheranschlüsse
- Vorverstärker
-
Wenn man höhere Klangqualität anstrebt, kommt man schnell zu dem Schluss, dass es von Vorteil ist, den Eingangs- und Steuerteil vom Leistungsteil getrennt zu betreiben. Damit wird vermieden, dass magnetische Felder vom Leistungsverstärker Störsignale in die Eingangs- und Regelstufen einstreuen. Deshalb gibt es auch Vor- und Endverstärker in Einzelgeräten. Dabei übernimmt der Vorverstärker nicht nur die aus seinem Namen ersichtliche Aufgabe, sondern auch die Wahl der Hörquelle und die Regelung von Lautstärke und Klangfarbe. Zu erkennen sind sie an der Bezeichnung »Preamplifier« in der Aufschrift auf der Frontplatte bzw. dem Typenschild.
Man kann anhand der Rückseite schnell herausfinden, ob es sich um einen Vor- oder Vollverstärker handelt. Wenn er Lautsprecheranschlüsse hat, ist es ein Vollverstärker, wenn diese fehlen, ist es ein Vorverstärker.
Merkmale, an denen man einen Vorverstärker erkennt einblendenausblenden
Vorderseite:
- Power-Schalter
- Quellenwahl
- Lautstärkeregler
- Klangregler
- Funktionstasten (Loudness, Hi-/Lo-Filter, Mono, Muting, Source Direct, etc.)
- Kopfhörerbuchse
Rückseite
- Anschlüsse für Phono, Tuner, AUX, Tape u.A.
- Line Out Ausgang
- Endverstärker
-
Der Endverstärker ist das Bindeglied zwischen dem Vorverstärker und den Lautsprechern. Er stellt die Energie zur Verfügung, mit der die Lautsprecher betrieben werden, und das ist seine einzige Aufgabe. Er braucht deshalb – außer Netzschalter und vielleicht Lautsprecherschaltern – keine Bedienelemente. Einige Geräte haben noch einen Pegelregler und vielleicht eine Leistungsanzeige. Einen Endverstärker erkennt man an der Aufschrift »Power Amplifier« auf der Frontplatte oder/und auf dem Typenschild. Auf der Rückseite sieht man meist nur einen Eingang und zwei oder vier Lautsprecheranschlüsse. Dafür haben sie ein hohes Gewicht, weil die Transformatoren, die die Energie bereit stellen aus viel Kupfer und Eisen bestehen müssen.
Merkmale, an denen man einen Endverstärker erkennt einblendenausblenden
Vorderseite
- Power-Schalter
- evtl. Lautstärkeregler
- evtl. Wahlschalter für Lautsprecher
- evtl. Leistungsanzeige
Rückseite:
- Line In Anschluss
- Lautsprecheranschlüsse
- Receiver
-
Als Receiver bezeichnet man Geräte, die aus Vor- und Endverstärker sowie einem Radioempfänger bestehen. Sie vereinen quasi drei Bausteine in einem Gehäuse. Zu erkennen sind sie an der Bezeichnung »Receiver« in der Aufschrift auf der Frontplatte bzw. dem Typenschild.
Viele moderne Receiver sind mit DAB+Digital Audio Broadcast Plus; 
Digitaler Rundfunk der zweiten Generation, WLAN, AirPlay, Bluetooth und anderen Schnittstellen ausgestattet, die den Empfang von allen möglichen Medien ermöglichen. Einige von ihnen bieten auch die Möglichkeit, DVD- und Blue Ray Player oder eine Spielkonsole über HDMIHigh Definition Multimedia Interface;
Digitale Universalschnittstelle für Audio- Video- und Datensignale anzuschließen und mit der Fernbedienung des Receivers bequem zusammen mit dem Ton zu verwalten. Wenn man die Rückseite eines solchen AV-Receivers betrachtet, muss man unwillkürlich an eine Telefonzentrale der 1920er Jahre denken. Nicht selten findet man 30 oder mehr Steckbuchsen für Audio- Video- und Datensignale aller Art, die man zentral über den Receiver steuern kann. Natürlich haben sie auch Klemmen zum Anschluss von 5, 7 oder mehr Lautsprechern. Die meisten AV-Receiver sind groß und schwer. Manche Geräte wirken mächtig, andere wegen ihrer Höhe geradezu klobig.
Merkmale, an denen man einen Receiver erkennt einblendenausblenden
Vorderseite
- Power-Schalter
- Quellenwahl
- Skala oder Display
- Tuning (Knopf oder -Tasten)
- Funktionstasten (Mono, Auto Tune, RDS, PTY etc.)
- Signalstärke- / Abstimmanzeige
- Lautstärkeregler
- Klangregler
- Funktionstasten (Loudness, Hi-/Lo-Filter, Mono, Muting, Source Direct etc.)
- 5.1 Surround-Funktionstasten (Modus, Klangbild, evtl. Laufzeiten etc.)
- evtl. Leistungsanzeige
- Kopfhörerbuchse
Rückseite:
- Antennenanschluss (FM 75 / 300 Ω)
- Eingänge für Phono, Tuner, AUX, Tape u.A.
- A V Eingänge für DVD / BDP, Video, DAT / MD u.A.; selten für Phono
- A V Video Ein- / Ausgänge (FBAS, S-Video, Component, HDMI)
- 5.1 Ein- / Ausgänge (FBAS, S-Video, Component, HDMI)
- Ausgänge für Tape 1 / Tape 2
- evtl. Pre In/Out
- Lautsprecheranschlüsse
- PA-Verstärker
-
PA-Verstärker»PA« steht hier nicht etwa für »Power Amplifier«, sondern für »Public Address«. Allerdings hat es sich eingebürgert, dass man „die PA” sagt und „den PA-Verstärker” meint. sind die »Arbeitstiere« der Unterhaltungselektronik. Sie warten mit gigantischen Leistungen auf und haben wegen ihrer hochlastfähigen Ausgangsschaltungen (siehe Dämpfungsfaktor) meist einen überragenden Klang. Sie sind nicht nur elektrisch, sondern auch mechanisch äußerst robust gebaut, denn sie sind für den rauen Bühnenalltag konzipiert. All diese Faktoren machen sie ausgesprochen schwer; manche 2×1200-Watt Stereo-PA

Beispiel für eine Bühnen-PA wiegt gut und gerne 25 Kilogramm oder mehr. Oft sind sie als reine Endverstärker konzipiert und haben wie diese ebenfalls kaum Bedienelemente. Meist findet man auf der Frontplatte einen Power-Schalter, zwei Lautstärkeregler und bei manchen Geräten einen Reset-Knopf für die Schutzschaltung (Protect), die bei Überlastung den Verstärkerausgang abschaltet, sowie drei Signalleuchten»Power«, »Overload« und »Protect«. Auf der Rückseite zwei Line-In-Eingänge, die meist als XLR-
XLR Anschlüsse (m/w), Klinken
6,3 mm Klinkenbuchse- und Cinch
Cinch- bzw. RCA Anschlüsse-Buchsen, zwei Lautsprecherausgänge, eine Buchse für das Netzkabel und ein Ventilator.
- ELA-Verstärker
- ELA-Verstärker sind nicht für reinsten Klang gemacht – und so klingen sie auch. Dafür haben sie durch ihre hohe Impedanz und Ausgangsspannung den Vorteil, dass man den Ton mit relativ dünnen Leitungen kraftvoll über weite Entfernungen transportieren und auf viele Lautsprecher verteilen kann. Das ist in Stadien, Bahnhöfen, Werkhallen oder Schulen von großem Nutzen. Es kommt nicht auf Klangqualität an, sondern auf verständliche Übertragung von Sprache über ein weites Areal. Die hohe Ausgangsspannung macht ELA-Verstärker auch für die erotische Elektrostimulation geeignet.
- Sonderformen
-
Auf dem Markt will jeder gerne ein möglichst großes Stück vom Kuchen haben, und deshalb bedienen einige Hersteller auch Nischen. So gibt es alle möglichen Formen und Ausprägungen, in denen Audiogeräte erscheinen. Von Soundboxen als Trolly mit Radio, iPod®-Dock, Bluetooth und eingebauten Lautsprechern (oft auch mit Karaoke-Mikrofon) oder als kleiner Block zum unter den Arm klemmen. Allen gemeinsam ist, dass sie nicht ohne einen Verstärker auskommen; und der bestimmt nun mal, was vorne raus kommt.
Solche Geräte sind nur schwer zu bewerten, denn die Hersteller halten sich mit Kenndaten teils äußerst bedeckt, und die Geräte zu öffnen, um sie zu messen verbietet sich oft deswegen, weil die Gehäuse nur mit Spezialwerkzeugen zerstörungsfrei geöffnet werden können.
So bleibet bei solchen Geräten nur die Bewertung anhand des akustischen Eindrucks, und der ist bekanntlich subjektiv.
Technische Daten
Ganz und gar nicht subjektiv sind die technischen Daten. Sie sind oft Ausschlag gebend, wenn es darum geht, einen Verstärker zu bewerten, z.B. wenn man ihn (ver)kaufen will. Der tatsächliche Wert ergibt sich aber aus dem Hörerlebnis, das er vermittelt. Natürlich hängt Beides miteinander zusammen – und Beides lässt sich kaum in allgemein verständlichen Begriffen beschreiben. Gerade im HiFi-Bereich tummeln sich viele Fachbegriffe, denn die Hersteller wie auch die Besitzer wollen mit den Daten ihrer Gerätschaften protzen und sich mit ihrem »Fachwissen« profilieren.
Leistung
Beim Betrachten eines HiFi-Verstärkers fragt man automatisch zuerst nach der Leistung, denn die Watt machen den »Bums«. Man erwartet eine Zahl und macht sich bereit, anhand der genannten Zahl entweder die Augenbrauen zu heben oder die Nase zu rümpfen. Als Schwelle für diese Entscheidung hat man normalerweise die Hundert im Kopf: Man hört 350 und denkt: Super!
– Man hört 25 und denkt: Was willste mit dem Dreck?
Aber ist es wirklich die bloße, in Watt bezifferte Leistung, die einen Verstärker zu einem wertvollen Gerät macht? — Natürlich nicht!
Die Leistung spielt, sofern alle anderen Kriterien erfüllt sind, für den Klang nur eine untergeordnete Rolle und ist eher ein Maß dafür, wie sehr man es nötig hat, mit der »Power« anzugeben. Im Übrigen sollte man die benötigte Leistung an der Größe des zu beschallenden Raums messen. Ein Nahfeld-Lautsprecher (PC-Boxen) braucht weniger Leistung als ein System, das ein 150 Quadratmeter-Wohnzimmer in einen »lebendigen« Konzertsaal verwandeln soll.
Auch die Hörgewohnheiten, also das bevorzugte Tonmaterial spielen eine Rolle bei der Bemessung. Wer gerne Klassik in Live-Lautstärke hört, um jedes Detail analysieren zu können braucht nicht besonders viel Leistung, sondern Klarheit und Auflösungsvermögen; dafür braucht man nur selten mehr als 50 Watt pro Kanal. Wer gerne Heavy Metal hört, möchte das vielleicht auch in Konzertlautstärke tun – vielleicht auch mal lauter – und dafür braucht es dann schon ein paar hundert Watt, besonders wenn man den Bass auch fühlen will.
Verwirrende Leistungsangaben
Technische Daten wie die Leistung sind an sich zwar unbestechlichBemtenwitz zum Thema »unbestechlich«, doch kann man mit ihnen viel Schindluder treiben, wenn es darum geht, einen Verstärker oder Lautsprecher anzupreisen und gut da stehen zu lassen. Die Leistungsangabe allein ist nicht aussagekräftig. Ohne zusätzliche Angaben wie der Impedanz, Klirrfaktor und ob es sich um RMS, Sinus- oder Impulsleistung handelt, ist sie völlig nutzlos.
Da gibt es Ghetto Blaster mit einer Leistungsangabe wie »1600 WATT PMPO«, und das sind meist so popelige, klapprige Plastikbomber von der Größe eines Kindersargs, die zusammen mit den Lautsprechern weniger als 10 kg auf die Waage bringen. – Der Witz dabei ist: Die Zahlen sind nicht einmal gelogen! – Was man aber zu hören bekommt, ist vielleicht zum Verscheuchen von Tieren brauchbar, hat aber mit Musikgenuss nichts zu tun.
Auf der anderen Seite wäre da ein stilvoller High End Verstärker aus England für 3 500 Euro, handgearbeitet und auf höchste Klangtreue getrimmt, mit einer Leistung von gerade mal 25 Watt pro Kanal. Und er überrascht mit kraftvollem, warmem Ton in einer Detailtreue, die man so nicht kennt. — Wie kann das sein?
Der Unterschied liegt einerseits im ZeitrahmenRMS-, Sinus-, Musik- und Impulsleistung
der Leistungsangabe und andererseits in der Güte der Verstärkerschaltung. Ein niedriger Ausgangswiderstand ist Bedingung für hohe Impulstreue und damit auch Transparenz.
Weil für einen niedrigen Ausgangswiderstand verbesserte Schaltungen mit höherwertigen Bauteilen benötigt werden, kann ein billiger Verstärker einem 3 500 Euro-Boliden klanglich niemals das Wasser reichen.
Zeitrahmen der Leistungswerte
Es gibt also unterschiedliche Leistungsangaben, die ihre Aussagekraft aus den Zusatzangaben beziehen. Allgemein üblich wird die Leistung als Sinusleistung oder als Impulsleistung an 8 ΩOhm; Maß für den elektrischen Widerstand.
Siehe Ohm (Einheit). für einen bestimmten Klirrfaktor angegeben. Was es nun genau mit den Werten auf sich hat, will ich kurz erläutern:
- RMS-Leistung
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RMS steht für Root Mean Square, also den quadratischen Mittelwert. RMS steht damit für den Effektivwert der Wirkleistung, also wie viel Energie tatsächlich abgegeben wird. Diese Angabe ist die aussagekräftigste, weil sie die über einen beliebigen Zeitraum tatsächlich nutzbare Leistung beschreibt.
Der Zahlenwert ist von allen Leistungsangaben der niedrigste: Ein Verstärker, der 30 W RMS abgibt, kann 43 W Sinus-, 70 W Musik- und 100 W Impulsleistung bringen. Als Nennleistung wären dann etwa 50 Watt angegeben.
- Nennleistung
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Die Nennleistung ist eine nicht genormte Angabe und wird von Herstellern als »Hausnummer« angegeben. In der Praxis liegt sie zwischen Sinus- und Musikleistung.
Die Nennleistung ist die maximal lieferbare elektrische Leistung in eine definierte Lastimpedanz (üblicherweise 4 … 8 Ohm) bei Speisung mit einem rosa Rauschenrosa Rauschen:
Rauschen mit Betonung auf den Frequenzbereich 100 Hz ... 6 kHz.
- Sinusleistung
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Die Sinusleistung gibt an, wie viel Leistung mit einem Sinuston bei einer Frequenz von 1 kHz über mindestens 10 Minuten abgegeben werden kann. Dabei darf der angegebene Klirrfaktor nicht überschritten werden.
Diese Angabe entspricht ca. 140% der RMS-Leistung und ist neben der RMS-Leistung die zuverlässigste im Hinblick auf die tatsächliche Leistung.
- Musikleistung
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ist eine nicht genormte, aber trotzdem sehr gebräuchliche Angabe und stellt in den meisten Fällen die Leistung dar, die über ein durchschnittliches Frequenzspektrum mit kurzen Spitzenwerten abgegeben werden kann. Dieser Wert liegt in der Regel um etwa 40% über dem Sinuswert.
- Impulsleistung (Peak Power, PMPO)
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Die Impulsleistung gibt – wie der Name vermuten lässt – die Leistung an, die während eines kurzen Impulses (meist 20 ms) abgegeben werden kann.
Je nachdem, wie widerstandsfähig die aktiven Bautele des Verstärkers gegen kurzzeitige Überlastung sind, kann dieser Wert sogar noch weit über dem der Musikleistung liegen.
Die Angabe PMPO (Peak Maximum Power Output; maximale Spitzenausgangsleistung) bezieht sich auf die Leistung, die auf beiden Kanälen während eines Impulses von 20 ms Dauer abgegeben wird.
Die PMPO-Angabe ist die unglaubwürdigste und im Hinblick auf den zu erwartenden Klang die am wenigsten aussagekräftige. Die PMPO-Angabe wird oft von Herstellern verwendet, um die Käufer zu täuschen. Es gibt kein standardisiertes Messverfahren für PMPO und jeder kann selbst festlegen, wie lang die Impulsbelastungen andauern. Dadurch ergibt sich letztendlich ein Fantasiewert. – Böse Zungen behaupten, PMPO sei die Abkürzung für Product Marketing Power Output.
Dämpfungsfaktor
Eine von Experten viel beachtete Größe im Zusammenhang mit Verstärkern ist der Dämpfungsfaktor. Das ist das Verhältnis zwischen der Impedanz des Lautsprechersystems und dem Ausgangswiderstand des Verstärkers. Ein hoher Dämpfungsfaktor reduziert Resonanzen und bringt höhere Genauigkeit bei der Impulswiedergabe.
Zunächst eine kurze Erklärung dessen, worum es geht:
Wie ein Lautsprecher funktioniert, dürfte den Spezialisten wohl geläufig sein; für alle anderen sei das Prinzip nochmal kurz umrissen:
Ein Lautsprecher besteht aus einer Membran, in deren Zentrum eine Spule sitzt. Die Membran ist federnd in einem Korb gelagert, in dessen Zentrum sich ein Magnet befindet. Die Membran ist in dem Korb so aufgehängt, dass die Spule in den Magneten eintaucht und frei nach innen und außen schwingen kann.
Wird an der Spule eine elektrische Spannung angelegt, erzeugt der durch die Spule fließende Strom ein Magnetfeld, das in Polarität und Stärke dem fließenden Strom proportional ist. Die Magnetfelder von Magnet und Spule erzeugen zusammen eine mechanische Kraft, die die Spule und damit die Membran bewegt. Dieses Prinzip funktioniert in beiden Richtungen, wie z.B. bei einem Mikrofon: Wird die Membran bewegt, entsteht in der Spule des Lautsprechers eine elektrische Spannung, die der Bewegung der Spule entspricht.
Wenn ein Lautsprecher vom Verstärker angetrieben wird, die Membran mit einer bestimmten Geschwindigkeit einzuziehen, fließt ein Strom, der der Auslenkung proportional ist. Wenn die Membran zurück schwingen will, der Verstärker aber sagt, dass die Membran noch drin bleiben soll, versucht die Rückstellkraft der Membran, sie wieder in die Ruhelage zu zerren, wobei die Spule eine Spannung erzeugt. Aufgabe eines (guten) Verstärkers ist es, mit seinem Ausgangswiderstand diese Spannung kurzzuschließen und damit die Bewegung der Membran zu dämpfen (daher der Name Dämpfungsfaktor).
Mit einem niedrigen Dämpfungsfaktor kann die Membran aufgrund ihrer Masse zurück federn, und das ergibt falsche Schwingungen in der Nähe der Resonanzfrequenz des Lautsprechers. Dadurch klingt der Bass »schwammig« und dröhnend.
Mit einem hohen Dämpfungsfaktor wird der Lautsprecher quasi »an der kurzen Leine« gehalten. Die Membran folgt der Spannung am Verstärkerausgang steifer und präziser und die Resonanz der Membran wird gedämpft. Die Folge ist eine unglaubliche Klarheit im Zusammenspiel von tiefen und hohen Tönen; das Klangbild wird insgesamt viel transparenter.
Wenn während eines Tons im tiefen Bassbereich die Bass Drum zuschlägt und gleichzeitig noch die Snare-Drum ertönt, sollte der Verstärker diesen Wellensalat so an die Lautsprecher schicken, dass die gar nicht anders können, als es genau so wiederzugeben. Wenn der Dämpfungsfaktor zu niedrig ist, bricht die Spannung im Anstieg der Basswelle zusammen und der Impuls der Snare-Drum kann diese zusammen gebrochene Welle nicht mehr richtig modulieren. Als Folge geht der Impuls unter und der Bass dröhnt; man kann den Bass nicht von der Bass-Drum abgrenzen. Bei einem hohen Dämpfungsfaktor bricht die Spannung kaum zusammen und deshalb können zusätzliche Impulse noch brillant übertragen werden. So wird der Klang zum Ohrenschmaus.
Leitung
Natürlich funktioniert das mit der Steifigkeit nur, wenn zwischen Verstärker und Lautsprecher möglichst wenig Widerstand ist. Die Rede ist von der Leitung. Der höchste Dämpfungsfaktor verpufft, wenn man für die Leitung zu den Lautsprechern lange, dünne Kabel nimmt. Je kürzer die Leitung und je größer ihr Querschnitt ist, desto kleiner ist der Widerstand.
Eine möglichst kurze, dicke Leitung, in der Praxis sollten das nicht mehr als 3 Meter mit 12 mm² Querschnitt sein, gewährleistet, dass der Dämpfungsfaktor des teuren Verstärkers maximal ausgenutzt wird.
Natürlich kann man alles auch übertreiben. – Da gibt es Lautsprecherkabel für mehrere tausend Euro zu kaufen. Und es wird von den Anbietern behauptet, dass die im Vergleich zu »herkömmlichen« Kabeln mit gleichem Querschnitts und gleicher Länge eine erhebliche Klangverbesserung bewirken.
Natürlich ist an diesen Märchen (und mehr sind sie nicht) kein Körnchen Wahrheit dran; es handelt sich um reine Werbepropaganda und dient einzig dem Zweck, unbedarften Verbrauchern das Geld aus der Tasche zu ziehen.
Ein namhafter Hersteller sehr hochwertiger Lautsprecher hat Vergleichstests durchgeführt, in denen man Hifi-Puristen sagte, dass Lautsprecherkabel beurteilt werden sollen, ihnen aber nicht sagte, über welche Leitung sie gerade hörten. Ziel des Tests war nichts Anderes, als zu beweisen, dass Einbildung und vorgefasste Meinungen einen größeren Einfluss auf die Bewertung haben als das tatsächlich Gehörte.
So wurde u.A. von einem Kabel auf das selbe »um«geschaltet, und die Zuhörer stellten eine signifikante Veränderung im Klangbild fest.