GEG-Schrott
Über die moderne Wegwerfgesellachaft

Wie auf der Seite über mich erwähnt, arbeite ich im Elektronikschrott-Gewerbe. Meine Aufgabe besteht darin, Geräte, die noch verwendbar sind, zu prüfen und für den Verkauf vorzubereiten.
Durch diese Tätigkeit lerne ich täglich neue Geräte kennen. Außerdem sehe ich bei vielen von ihnen, wo ihre Schwachstellen sind.
In dieser Kategorie werde ich darüber berichten, welche Erfahrungen ich im Alltag gemacht habe.

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Das Gewerbe

Elektronikschrott ist (immer noch) ein boomendes Geschäft. Wir sind einer von fünf Betrieben in München, die elektronische Geräte der Wiederverwertung zuführen. Bei uns kommen pro Monat zwischen 30 und 70 Tonnen Elektroschrott an. Das meiste davon wird von einem Verwertungsbetrieb aufgekauft, der die Ware schreddert und die Rohstoffe daraus gewinnt. Es handelt sich dabei um Elektrokleingeräte wie z.B. Radios, Elektrowerkzeuge, Haushaltsgeräte und Anderes, was sich nur unter großem Aufwand oder gar nicht zerlegen lässt.
Andere Geräte z.B. Fernsehgeräte und Computer lassen sich relativ leicht demontieren, so dass sich die manuelle Zerlegung lohnt. Im Zerlegebetrieb werden diese Geräte in ihre Bestandteile zerlegt. Diese Bestandteile sind unter Anderem Eisen, Kupfer, Aluminium, Glas (Bildröhren), Batterien, verschiedene Sorten Platinen und Kunststoffe. Diese werden gesammelt und sortenrein an Betriebe verkauft, die diese Stoffe weiter verarbeiten.
Ein kleiner Teil der ankommenden Ware ist aber noch funktionsfähig und verwendbar. Diese Geräte werden in unserem Ebay-Shop angeboten oder anderweitig verkauft.

Die Firma

ConJob ist ein auf Elektroaltgeräte spezialisierter, zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb nach § 52 KrWG und § 11 Abs. 4 ElektroG. Sie ist ein Betrieb des Condrobs e.V., welcher Menschen mit sozialen Schwierigkeiten oder Suchterkrankungen Hilfe beim Wiedereinstieg in das Arbeitsleben bietet. Unser Recyclingbetrieb ist in folgende Teilbereiche gegliedert: Recycling, Lager/Logistik, Technik, Online-Handel, Versand und Transport. Wir sind zusammen ca. 50 Mitarbeiter und an die zehn Verwaltungsangestellte.
Die Jobs der Mitarbeiter sind überwiegend »Arbeits­gelegen­heiten mit Mehr­aufwands­entschädigung« (kurz: AGH-MAE), also die berühmten »1-Euro-Jobs«, für die es mittlerweile € 2,-. pro Stunde gibt. Einige Beschäftigte beziehen Rente und verdienen sich hier etwas dazu und Einige arbeiten ehrenamtlich und erhalten eine Mehr­aufwands­entschädigung in Höhe von ca. € 60,- monatlich.
Die Firma ist gemeinnützig, das heißt, ihre Dienste dienen der Allgemeinheit; dafür wird sie von der Stadt München gefördert. Die Fördergelder reichen aber nicht aus, um den ganzen Betrieb zu finanzieren und deshalb muss sie aus ihren Dienstleistungen zusätzlich etwas erwirtschaften, das zwar ausreicht, um die Firma am Laufen zu halten, aber nicht so hoch ist, dass sie daran reich wird, weil sie ja gemeinnützig ist.

Meine Rolle bei ConJob

Als ich im Juni 2015 angefangen habe, war ich einen Monat lang in der Zerlegung beschäftigt. Allerdings war bei meiner Einstellung bereits klar, dass ich aufgrund meiner Quaifikationen später im Verkauf bzw. der Geräteprüfung arbeiten sollte. Außerdem hatte ich bereits vier Jahre Erfahrung als PC-TechnikerIch habe damals aus den Teilen von zerlegten Computern funktionsfähige Geräte gebaut, die im Shop verkauft wurden. in der Elektroschrottbranche.
Nach meiner Einarbeitungszeit wechselte ich in die »Ebay-Halle«, wo die aussortierten Waren geprüft und entweder in unserem Online-Shop bei ebay oder an Flohmarkt-Händler verkauft werden.
Ursprünglich war geplant, dass ich Computer testen sollte, aber in der Abteilung HiFi, wo ich mich auch gut auskenne war gerade Personalmangel, also sprang ich hier ein – und da bin ich auch geblieben.
Geräte, die sich evtl. wiederverwenden lassen, landen bei mir. Meine Aufgabe besteht darin, zu prüfen, ob man z.B. einen Verstärker noch als funktionierendes Gerät verkaufen kann. Ich begutachte den äußerlichen Zustand, recherchiere im Internet, zu welchem Preis wir es verkaufen können und prüfe alle Funktionen, um evtl. Fehler zu finden, denn es sind schließlich Geräte, die aus irgend einem Grund weggeworfen worden sind. Inzwischen bin ich zum Chef dieser Abteilung aufgestiegen. Ich überwache die Prüfung auf elektrische Sicherheit, (weil ich aufgrund eines Zeugnisses dazu berechtigt bin) und gebe Empfehlungen über die Verkaufspreise. Auch Anfragen von Kunden und Interessenten für unsere Online-Angebote werden meist von mir bearbeitet.
Donnerstagsvon 13:00 bis 16:00 Uhr haben wir jede Woche einen Verkauf für Flohmarkt-Händler, bei dem hauptsächlich Bügeleisen, Elektrowerkzeuge, HiFi-Geräte und Fernseher gefragt sind. Es gehört zu meinen Aufgaben, die verwertbaren Gegenstände in die entsprechenden Regale und Kisten zu sortieren, damit die Ware ordentlich päsentiert wird.

Meine Tätigkeiten

Wenn ich gegen 7:20Mittlerweile stehe ich in dem Ruf, der wohl pünktlichste Mitarbeiter der Firma zu sein. in der Firma angekommen bin, ist das erste, das ich mache, mich umzuziehen, an meinem Platz den PC und die Steckdosenleiste für den Prüfplatz einschalten, einstempeln und Kaffee holen. Um 7:30 Uhr fange ich dann an.
Je nach dem was ansteht, prüfe ich entweder Geräte für ebay oder sortiere die angekommene Ware für die Händler. Die Geräte werden auf Funktionsfähigkeit getestet und einem E-CheckE-Check:
Prüfung auf elektrische Sicherheit.
Diese wird mit einem automatischen Prüfgerät durchgeführt, das jede Messung protokolliert.
Durch die Vergabe einer Prüfnummer wird jedes Gerät eindeutig identifizierbar.
unterzogen. Jeder Artikel erhält einen Laufzettel sowie eine Checkliste und wird bei den fertigen Geräten abgelegt.
Die Prüfung von HiFi-Geräten ist je nach Modell recht anspruchsvoll. Das erste, was ich mache ist, das Gerät am TrenntrafoTrenntransformator:
Ein spezieller Transformator, bei dem die Eingangs- und die Ausgangswicklung getrennt sind. Wenn bei einem Gerät Netzspannung auf das Gehäuse gelangt, verursacht das bei einem Trenntrafo keinen elektrischen Schlag, selbst wenn der Benutzer geerdet ist.
anzuschließen und einzuschalten.

Der »Zauberer«

Wenn ich der Meinung bin, dass es sich lohnt, dann gebe ich ein defektes Gerät unserem »Zauberer«. Juri ist ein liebenswerter, etwa 70 Jahre alter Russe, der kaum Deutsch spricht, seit 16 Jahren ehrenamtlich in der Firma arbeitet und völlig anstandslos repariert, was andere Techniker als Totalschaden aufgeben würden. Selbst wenn alle Prognosen dagegen sprechen, Juri kriegt (fast) alles wieder zum Laufen.
Meistens müssen Lautstärke- und Klangregler, die krachen, wieder gängig gemacht oder ein abgeschnittenes Netzkabel ersetzt werden. Bei einigen Geräten mache ich das zwar selbst, aber oft ist da nur schwer dran zu kommen oder es ist ein Bauteil defekt. Solche Fälle gebe ich Juri, der das Gerät oft total zerlegt und anschließend wieder zusammen baut. Wer ihm dabei zusieht, glaubt lange, dass er das nie mehr so zusammen bekommt, angesichts der chaotisch anmutenden »Ordnung« an seinem Platz.

Hier entscheidet sich, ob ich mir den Prüfling genauer anschaue. Wenn gar nichts passiert, kann das unter Umständen nur eine Sicherung sein, oder es ist etwas Größeres. Das zu beurteilen gehört nicht zu meinen Aufgaben. Was ich aber (meistens) beurteilen kann ist, ob sich eine Reparatur überhaupt lohnt. Dazu recherchiere ich im Internet nach dem entsprechenden Modell. Was repariert werden muss, bringe ich zu unserem »Zauberer« Juri (siehe Kasten rechts) →.
Je nach den Preisen, die für meinen Prüfling erzielt werden können, prüfe ich weiter oder, wenn ein Verkauf wegen hässlicher Schäden nicht zu empfehlen ist, stelle ich das Teil in das Regal für den Händlerverkauf.
Was Erfolg verspricht, wird einer peinlich genauen Prüfung unterzogen.

Die Prüfung

Nach erfolgreichem Einschalttest und einer groben Bewertung wird der Prüfling auf Hertz und NiereHertz und Niere:
Kleiner Witz unter Akustikern:
Hertz bezeichnet die Frequenz,
Niere ist eine Richtcharakteristik von Mikrofonen.
getestet. Als Erstes wird der E-Check durchgeführt. Das geht recht einfach mit dem Prüfgerät, das alle Messungen protokolliert.

Nach dem Sicherheitscheck schließe ich den Prüfling entsprechend an und prüfe alle Funktionen. Die Ergebnisse trage ich in Checklisten ein, die ich selbst entwickelt habe. Diese Checklisten werden dem Gerät für den Kunden beigelegt.
Wenn alles funktioniert, dann fülle ich noch einen Laufzettel aus, der für den internen Gebrauch bestimmt ist und archiviert wird. Er enthält Informationen über Hersteller, Modell, Zustand, evtl. Fehler, E-Check-Prüfnummer, Preisempfehlung und so weiter.

Was ich prüfe

Je nach dem, womit ich es zu tun habe, muss ich unterschiedliche Funktionen testen. Ein Tuner braucht z.B. eine Antenne und einen Verstärker, der das empfangene Radioprogramm an die Lautsprecher weitergibt. Ein Verstärker braucht dagegen eine Tonquelle (Tuner, CD-Spieler oder Plattenspieler) und Lautsprecher. Damit ich nicht erst nach geeigneten Zusatzgeräten (CD-Spielern, Lautsprechern etc.) suchen bzw. diese anschlussfertig machen muss, habe ich einen Plattenspieler, zwei CD-Spieler und zwei Paar kleine Testlautsprecher, die fest verkabelt sind. Außerdem habe ich noch ein Kabel zu einer am Fenster stehenden Antenne. So brauche ich nur die benötigten Kabel zu greifen und anzuschließen.


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